Das süße Leben

Der Frühling liegt in der Luft! Die Tage werden wieder länger, die Kraft der Sonne nimmt zu und der Schnee beginnt zu schmelzen. Bald werden die Bäume in Blüte stehen und die Vögel ihren Flug in den Norden antreten. Die Nächte sind jedoch noch kalt - perfekte Bedingungen für die Bildung des Ahornsaftes.
In Québec läuft zu dieser Jahreszeit ein Ritual ab. Sobald der Mond richtig steht oder der Südwestwind auf eine bestimmte Weise bläst, verschwinden die Ahornsirup-Produzenten in den Hainen und zapfen ihre Bäume an. Die Eimer füllen sich mit einer süßlichen, wässrigen Flüssigkeit. Durch Einkochen entsteht der delikate, auf den amerikanischen Pfannkuchen so beliebte Sirup.
In der Zuckerhütte
Ahornsirup ist aber keinesfalls nur etwas fürs Frühstück. Die Indianer haben ihn zur Zubereitung von Rotwild verwendet. Später wurde er von den französischen Pionieren allen möglichen Gerichten beigegeben, die sie auf dem offenen Holzfeuer kochten. Heute versammeln sich gegen Ende März und Anfang April ganze Familien in den Zuckerhütten, wo sich die Tische unter den traditionellen Gerichten der "Zuckerhütten" (cabanes à sucre) biegen: Erbsensuppe, gebackene Bohnen, mit Ahornsirup gegarter Schinken, "oreilles de crisse" (gebratene Streifen von eingesalzenem Schweinefleisch), Pfannkuchen sowie mit Sirup gesüßte Desserts wie Zuckertorte, Crepes und "grands-pères" (in Ahornsirup pochierte Knödel). Dann gehen alle ins Freie, um den heißen Ahornsirup über ein frisches Schneebett zu ziehen und mit Holzstäbchen aufzugabeln – fertig ist der Ahornsirup-Lutscher ("tire à l’érable").
Am Anfang der Sirupproduktion steht ein wässriger Saft, der tropfenweise durch kleine, direkt in den Baumstamm eingesteckte Tüllen aufgefangen wird. Früher wurden unter den Tüllen Eimer aufgehängt. Wenn sie voll waren, leerte man sie in riesige Fässer, die auf Pferdeschlitten durch den Wald gezogen wurden. Heute wird bei den meisten modernen Anlagen der Saft durch ein ausgeklügeltes System von Kunststoffrohren in einen Verdampfer geleitet und dort durch Kochen eingedickt. Dem wertvollen Nektar werden keine weiteren Zusätze beigegeben. Zur Erzeugung von einem Liter reinen Sirup benötigt man etwa 40 Liter Saft, aber die schmackhafte goldfarbene Flüssigkeit ist diese Mühe wert.
Im Umkreis der großen Städte gibt es etwa 400 Ahornsirup-Produktionen. Während der "Erntezeit" sind Besucher überall willkommen. In den "cabanes à sucre" werden nicht nur herzhafte Gerichte serviert: mit traditioneller Musik, Tanz und zünftiger Unterhaltung erinnert man sich an die alten Zeiten.
Die Ahornsirup-Saison ist der perfekte Anlass für eine Schlittenfahrt, eine Wanderung durch die Wälder oder den Besuch eines Ahorn-Festivals, wie z.B. des Festivals in Saint-Georges in der Beauce (Centre-du-Québec).
Genießen Sie das süße Leben in Québec!





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